Essen spielt in unserem Leben eine zentrale Rolle. Neben dem biologischen Aspekt –wir können ohne Nahrung nicht überleben – sind unsere Essgewohnheiten und das, was wir zu uns nehmen, für unser emotionales Wohlempfingen, unsere Tagesgestaltung und unser soziales Dasein von grösster Bedeutung. Doch was genau neben der reinen Nahrungsaufnahme macht das Essen für uns so bedeutsam?

Niemand würde ein Leben akzeptieren, in dem wir jeden Tag die exakt nötigen Kohlenhydrate. Proteine, Fette und Ballaststoffe in abgepackter Form zu uns nehmen. In der Maslowsche Bedürfnispyramide, die unsere Lebensbedürfnisse in fünf Hierarchieebenen einteilt (körperliche (physiologische) Bedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung), besitzt das Essen eine zentrale Stellung. Gutes Essen verbindet uns mit unseren Mitmenschen, und wir versorgen nicht nur unseren Körper, sondern auch unseren Geist mit Nahrung.

“Das schmeckt wie zu Hause.” Unsere Ernährung spricht Bände auch über uns. Das, was wir kochen, stellt einen Teil unserer individuellen Identität dar. Es lässt uns mit unseren Mitmenschen auf einer besonderen Ebene kommunizieren. Mag ich eine andere Person, so koche ich gerne etwas Spezielles für sie. Das, was wir essen, beschreibt aber auch zentrale Element unseres sozialen und kulturellen Umfeldes. Essen ist also eine zutiefst soziale und kulturelle Angelegenheit, die uns oft auch gegen andere Kulturen abgrenzt.

Früher war es für Menschen einer bestimmten Kultur nahezu unmöglich, das Essen einer anderen Kultur kennenzulernen. Wer kannte im Mittelalter schon die asiatische oder arabische Küche. Heute erfreuen sich japanisches Sushi, vietnamesische Pho, chinesische Knödel oder arabische Mezze allergrösster Beliebtheit. Wir sind nicht zuletzt in unseren Essgewohnheiten viel internationaler geworden, die Globalisierung hat längst unsere Mägen erreicht. Das Essen ist ein Element des kulturellen Austausches geworden.

Dazu tragen auch Flüchtlinge bei. Sie kommen oft mit nichts ausser den Kleidern auf ihren Körpern bei uns an. Doch in ihren Köpfen tragen sie wunderbare kulinarische Speisen. Es lohnt sich, mit ihnen auch über die Küche in den Austausch zu treten. Ihr Essen zeigt uns oft eine ganz andere Welt, die wir kulinarische so leicht entdecken können. Es lohnt sich. Probieren Sie es einfach mal aus.

“Das Kochen verbindet mich mit meiner Mutter. Seit ich ein kleines Kind war, habe ich mit ihr gekocht. Manchmal sagte sie, ich solle nicht helfen, sondern nur zuschauen. Sie sagte, dass ich diese Gerichte in der Zukunft vielleicht allein zubereiten müsste, was ich mir damals nicht vorstellen konnte. Sie sagte, Kochen sei eine wichtige Fähigkeit, von der ich später profitieren würde. Wenn wir heute Momos machen, mache ich sie selbst. Es fällt mir leicht, aber damals schien die Vorstellung, Momos von Anfang bis Ende selbst zu machen, fast unmöglich. Zu Hause haben wir Momos nur zu besonderen Anlässen gemacht, da die Zutaten nicht leicht zu bekommen waren. In der Schweiz kann ich sie machen, wann immer ich will.
Wenn ich etwas koche, was meine Mutter und ich früher gekocht haben, erinnere ich mich an sie und wünsche mir, sie wäre bei mir.”-Tsering, Tibet

“Viele Afrikaner sind schon lange auf der Flucht, und es ist schon eine Weile her, dass sie ihr Heimatland verlassen haben. Wenigstens können wir noch unser afrikanisches Essen essen. Wann immer wir mit afrikanischen Freunden zusammen sind, wollen sie immer Fufu und Egusi. Das schmeckt wie zu Hause.
Ich habe das Kochen von meiner Mutter gelernt, als ich noch ein kleines Mädchen war. Meine Schwestern und ich haben uns bei der Zubereitung der Mahlzeiten abgewechselt, und meine Mutter war immer in der Küche und hat auf uns aufgepasst und uns gesagt, was wir tun sollen. Mein Bruder hat nie im Haus geholfen, er hat nur beim Essen geholfen. Ich liebe es, zu kochen und die zu füttern, die ich liebe.”

-Perpetual, Nigeria